{"id":17741,"date":"2018-08-15T11:04:08","date_gmt":"2018-08-15T09:04:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gruene-heidelberg.de\/?p=17741"},"modified":"2018-08-15T11:04:08","modified_gmt":"2018-08-15T09:04:08","slug":"gruene-heimat-warum-der-begriff-heimat-nicht-den-rechten-gehoert-sondern-etwas-sehr-gruenes-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neu.gruene-heidelberg.de\/index.php\/2018\/08\/15\/gruene-heimat-warum-der-begriff-heimat-nicht-den-rechten-gehoert-sondern-etwas-sehr-gruenes-ist\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcne Heimat &#8211; Warum der Begriff Heimat nicht den Rechten geh\u00f6rt, sondern etwas sehr Gr\u00fcnes ist"},"content":{"rendered":"<p><em>Stattblatt von Stadtr\u00e4tin Dr. Sandra Detzer vom 15.08.2018<\/em><\/p>\n<p>Vergangene Woche haben wir im nahen Schwetzingen \u00fcber Heimat diskutiert. Mit unserer Gr\u00fcnen Bundesvorsitzenden Annalena Baerbock, dem Antisemitismus-Beauftragten des Landes Baden-W\u00fcrttemberg, Michael Blume, dem Gr\u00fcnen Bundestagsabgeordneten Danyal Bayaz und rund 200 Interessierten. Ganz bewusst haben wir uns f\u00fcr dieses Thema entschieden. Weil es vielleicht nicht auf den ersten Blick gr\u00fcn ist. Weil man vielleicht denken k\u00f6nnte: Um Gottes Willen, jetzt fangen die auch noch damit an. Ja, tun sie. Weil Heimat Herzenssache ist und verdammt viel mit dem Zusammenhalt in dieser Gesellschaft zu tun hat. Ja, Heimat ist subjektiv, bunt und sch\u00f6n. Kein Staat der Welt kann erzwingen, dass sich Menschen auf seinem Territorium heimisch f\u00fchlen. F\u00fcr manche ist Heimat immer dort, wo sie sich wohl f\u00fchlen. F\u00fcr andere, wo ihre Familie lebt und gute Freunde. Bei jedem ist die Heimat anders.<\/p>\n<p>Warum diskutieren wir gerade so viel \u00fcber Heimat? Warum werden Heimatministerien gegr\u00fcndet und Diskussionen gef\u00fchrt \u00fcber Sinn und Unsinn von Gebirgstapeten? Weil es in einer komplexen und un\u00fcbersichtlichen Welt, einer ausdifferenzierten Gesellschaft mit unterschiedlichen Lebensweisen ein gestiegenes Bed\u00fcrfnis nach Halt, Vertrautheit und gemeinsamer Identifikation gibt. Digitalisierung, Globalisierung, Migration: diese Megatrends nagen am Wir-Gef\u00fchl unserer Gesellschaften und lassen den Einzelnen h\u00e4ufig im Ozean der Eindr\u00fccke zur\u00fcck. Woran h\u00e4lt man sich, wenn nichts mehr h\u00e4lt? Hier schafft Heimat gemeinsame Identifikation. Heimat bedeutet Geborgenheit. Heimat bietet Halt. Peter Unfried fasst es sch\u00f6n zusammen: Der oftmals gef\u00fchlte Heimatverlust ist im Kern ein Ich-Wir-Verlust. \u201eEs geht nicht um das Fehlen von Volksmusik, Natur oder des Schweinsbratens von der Oma: Es geht darum, dass man sich selbst nicht mehr als Teil von etwas sieht und verorten kann.\u201c<\/p>\n<p>Dieses Gef\u00fchl ist zutiefst politisch. Wenn Menschen sich nicht mehr als Teil einer Gemeinschaft f\u00fchlen, kommunizieren sie, verhalten sie sich, w\u00e4hlen sie anders. Nicht umsonst wird die Heimat oft von Rechten genutzt, um ein \u201eWir\u201c gegen \u201eDie\u201c zu konstruieren. In Schwetzingen haben einige rechte St\u00f6rer versucht, unsere Veranstaltung zu torpedieren. Es ist ihnen nicht gelungen. Wir ertragen Meinungsvielfalt und treten rassistischen, antisemitischen, nationalistischen und r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Kr\u00e4ften klar entgegen. Unsere gr\u00fcne Vorstellung von Heimat grenzt niemals aus. Wir Gr\u00fcne wollen den Menschen Heimat erm\u00f6glichen, ohne sie ihnen \u00fcberzust\u00fclpen. Wir wissen, dass wir das Gef\u00fchl nicht erzwingen k\u00f6nnen. Aber wir k\u00f6nnen es f\u00f6rdern. Gr\u00fcne Politik macht Heimat leicht. Indem sie nat\u00fcrliche Lebensgrundlagen sch\u00fctzt und die Umwelt erh\u00e4lt. Und indem sie Institutionen und Infrastrukturen der Gesellschaft st\u00e4rkt, die dem\/r Einzelnen Chancen und Teilhabe garantieren. Damit am Schluss die Gleichung jeder\/s Einzelnen aufgeht.<\/p>\n<p>Heimat braucht Natur- und Klimaschutz<\/p>\n<p>Warum braucht Heimat den Schutz unserer nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen? F\u00fcr viele ist das Gef\u00fchl der Heimat mit einem konkreten Ort verbunden. Der Ort, an dem sie aufgewachsen sind. Der Ort, an dem sie schon seit l\u00e4ngerer Zeit leben. Heimat ist nach diesem Verst\u00e4ndnis ein fester, geografisch definierbarer Raum: die dunklen Tannen des Odenwalds, die sanfte Sch\u00f6nheit des Neckartals, die gr\u00fcnen Weinberge der Bergstra\u00dfe oder die stolze Kulisse des Heidelberger Schlosses. Gerade in Baden-W\u00fcrttemberg teilen viele Menschen dieses Heimatverst\u00e4ndnis. Heimat ist f\u00fcr sie gekennzeichnet durch vertraute Landschaften, St\u00e4dte und D\u00f6rfer, Br\u00e4uche und Traditionen. Der Klimawandel bedroht unsere Heimat. Denn die Landschaften und unsere Natur werden sich bei einer fortschreitenden Klimaerw\u00e4rmung unweigerlich ver\u00e4ndern. Sie werden sich so ver\u00e4ndern, dass sie eben nicht mehr das darstellen, was die Menschen empfinden: Vertrautes und Gewohntes. Heimat erhalten und der Kampf gegen den Klimawandel sind aus dieser Perspektive zwei Seiten derselben Medaille. F\u00fcr uns Gr\u00fcne ist deshalb der Erhalt unserer Landschaft, deren biologische Vielfalt und Sch\u00f6nheit eine tragende S\u00e4ule, Heimat zu erhalten. Heimatschutz ist nicht das Abh\u00f6ren durch Geheimdienste und schnelleres Abschieben, wie das manchem vorschweben mag. Heimat zu erhalten braucht in erster Linie Natur- und Klimaschutz und damit den Erhalt unserer nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen.<\/p>\n<p>Heimat ist Teilhabe<\/p>\n<p>Heimat entsteht vom \u201eIch\u201c im \u201eWir\u201c. Heimat braucht Dabeisein, Drinsein, Dasein. Anders ausgedr\u00fcckt: Heimat braucht Teilhabe. Teilhabe an den Sommerabenden auf der Neckarwiese, an der Schlossbeleuchtung, am Kirchenchor oder am Poetry Slam. Teilhabe auch durch Einkaufen gehen k\u00f6nnen vor Ort vom Boxberg bis Handschuhsheim, den n\u00e4chsten Arzt erreichen, arbeiten. Auch arbeiten k\u00f6nnen, weil die Kinder gut betreut sind. Teilhabe durch Mobilit\u00e4t, durch Sicherheit oder einfach, weil Ehrenamtliche Gefl\u00fcchteten die Hand reichen.<\/p>\n<p>Teilhabe wird oft gew\u00e4hrleistet durch ein starkes ehrenamtliches Engagement. Durch Vereine, Kirchen, Verb\u00e4nde. Dieses Ehrenamt ist f\u00fcr den Staat unbezahlbar, wir haben es zuletzt an der Fl\u00fcchtlingskrise gemerkt. Eine Schlussfolgerung dieser Zeit ist aber auch: Der Staat darf das Ehrenamt nicht ausnutzen, er muss selbst ein starkes Netz der Teilhabestrukturen gew\u00e4hrleisten. Teilhabestrukturen sind zun\u00e4chst die klassischen Institutionen der \u00f6ffentlichen Hand wie Parlamente und Gerichte, Ordnungs\u00e4mter und Polizei. Teilhabestrukturen sind aber auch \u00f6ffentliche Infrastrukturen im weiteren Sinne wie Zugang zu Kinderbetreuung und Schulen, Krankenh\u00e4usern und Pflegeheimen, schnellem Internet und Dienstleistungen der Daseinsvorsorge vor Ort wie Strom, Wasser, Einkaufsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Diese Teilhabestrukturen &#8211; funktionierende \u00f6ffentliche Institutionen und gute \u00f6ffentliche Infrastrukturen &#8211; entscheiden dar\u00fcber, ob B\u00fcrger*innen und B\u00fcrger das Gef\u00fchl haben, in einem wohl geordneten Gemeinwesen zu leben. Sie entscheiden, ob das Aufstiegsversprechen der sozialen Marktwirtschaft weiter gilt, ob Stadt und Land sich im Gleichklang entwickeln und Menschen aus allen Teilen der Welt von Gefl\u00fcchteten zu Mitb\u00fcrger*innen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Weil sie die Teilhabe der Menschen am gesellschaftlichen Leben erm\u00f6glichen, Benachteiligungen ausgleichen und Zusammenkunft f\u00f6rdern, schaffen staatliche Institutionen und Infrastrukturen die Grundlage, dass sich Menschen heimisch f\u00fchlen. Deshalb treiben wir Gr\u00fcne den Ausbau guter Kita-Pl\u00e4tze voran, schaffen mit der Gemeinschaftsschule die Chance auf l\u00e4ngeres gemeinsames Lernen, streiten f\u00fcr die Anerkennung der Breitbandversorgung als Daseinsvorsorge und wollen zum Beispiel auf der regionalen Gesundheitskonferenz Rhein-Neckar\/Heidelberg kl\u00e4ren, wie ambulante und station\u00e4re Gesundheitsversorgung und Pflege auch im demographischen Wandel zu gew\u00e4hrleisten ist. Menschen von Hemsbach bis St. Leon-Rot, von Hockenheim bis Eberbach sollen ihre Heimat finden k\u00f6nnen, ohne sich abgeh\u00e4ngt und ausgegrenzt zu f\u00fchlen. Wer Heimat liebt, nimmt den Auftrag des Grundgesetzes ernst: Gleichwertige Lebensverh\u00e4ltnisse in Stadt und Land. Das ist der Gr\u00fcne Anspruch. Und unser Angebot an alle, die ein \u201eIch\u201c im \u201eWir\u201c wollen, eine Heimat in Baden-W\u00fcrttemberg.<\/p>\n<p><em>Stattblatt statt Stadtblatt: Das offizielle Stadtblatt der Stadt Heidelberg macht in den Sommerferien\u00a0eine Pause und damit auch die \u201eStimmen aus dem Gemeinderat\u201c, wo sich die Gr\u00fcne Gemeinderatsfraktion jeden Mittwoch zu kommunalen Themen \u00e4u\u00dfert. Da die Gr\u00fcne Fraktion aber auch im Sommer aktiv ist\u00a0und es auch jetzt genug zu berichten gibt, ver\u00f6ffentlichen wir jeden Mittwoch unseren Stattblatt-Beitrag hier auf unserer <\/em><a href=\"http:\/\/www.gruene-heidelberg.de\"><em>Homepage<\/em><\/a><em> als auch \u00fcber <\/em><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/Gruene.Heidelberg\/\"><em>Facebook<\/em><\/a><em> und <\/em><a href=\"https:\/\/twitter.com\/GrueneHD\"><em>Twitter<\/em><\/a><em>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stattblatt von Stadtr\u00e4tin Dr. Sandra Detzer vom 15.08.2018 Vergangene Woche haben wir im nahen Schwetzingen \u00fcber Heimat diskutiert. 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