{"id":19813,"date":"2019-11-08T11:30:19","date_gmt":"2019-11-08T10:30:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gruene-heidelberg.de\/?p=19813"},"modified":"2019-11-08T11:30:19","modified_gmt":"2019-11-08T10:30:19","slug":"transaktionswochen-rhein-neckar-2019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neu.gruene-heidelberg.de\/index.php\/2019\/11\/08\/transaktionswochen-rhein-neckar-2019\/","title":{"rendered":"Trans*Aktionswochen Rhein-Neckar 2019"},"content":{"rendered":"<p>Von Donnerstag, 7. November bis Sonntag, 24. November 2019, finden in der Rhein-Neckar-Region wieder die \u201eTrans*Aktionswochen Rhein-Neckar\u201c statt, die den \u201eInternational Transgender Day of Remembrance\u201c am 20. November umrahmen. W\u00e4hrend der Transgender Day of Remembrance auf trans*feindliche Gewalt und Diskriminierung aufmerksam macht, ist das Ziel der Trans*Aktionswochen f\u00fcr Trans*Personen und die Vielfalt geschlechtlicher Identit\u00e4ten sowie deren Ausdrucksformen zu sensibilisieren und dar\u00fcber aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die Trans*Aktionswochen Rhein-Neckar werden auch in diesem Jahr ma\u00dfgeblich vom Amt f\u00fcr Chancengleichheit der Stadt Heidelberg zusammen mit dem LSBTI-Beauftragten der Stadt Mannheim unterst\u00fctzt. Die Besucherinnen und Besucher erwartet ein vielf\u00e4ltiges Programm aus Konzerten, Workshops, Vortr\u00e4gen und Diskussionen. Der Eintritt ist f\u00fcr fast alle Veranstaltungen frei. Das komplette Programm sowie weitere Informationen gibt es online unter <a href=\"http:\/\/www.heidelberg.de\/antidiskriminierung\">www.heidelberg.de\/antidiskriminierung<\/a> Trans*Aktionswochen Rhein-Neckar.<\/p>\n<p>Die Trans*Aktionswochen wurden am 7. November, mit einem Fachforum zur Verfolgungs- und Emanzipationsgeschichte lesbischer, schwuler, bisexueller, transsexueller, transgender, intersexueller und queerer (LSBTTIQ) Menschen er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p><strong>Hier die Begr\u00fc\u00dfungsrede von B\u00fcrgermeister Wolfgang Erichson im Wortlaut:<\/strong><\/p>\n<p>LSBTTIQ-GESCHICHTE: ERKENNEN. AUFARBEITEN. DISKUTIEREN.<\/p>\n<p>Sehr geehrte Prorektorin Professor Dr. Karin Schumacher (Vorrednerin),<br \/>\nsehr geehrte Ministerin Theresia Bauer,<br \/>\nsehr geehrte Mitglieder des Gemeinderates,<br \/>\nSehr geehrte Frau Prof. Nolte,<br \/>\nsehr geehrter. Herr Prof. Pytha,<br \/>\nsehr geehrter Herr Dr. Baranowski<br \/>\nund sehr geehrte Frau Dr. K\u00fcppers,<br \/>\nliebe Engagierte in der LSBTTIQ-Community,<br \/>\nmeine sehr verehrten Damen und Herren,<br \/>\nliebe Studierende und G\u00e4ste,<\/p>\n<p>Erkennen, Aufarbeiten, Diskutieren: Unter diesen Schlagworten steht unsere heutige Veranstaltung. Begriffe, die seit jeher zum R\u00fcstzeug von Forschenden und Studierenden dieser Universit\u00e4t geh\u00f6ren. Auch den j\u00fcdischen, homosexuellen Studierenden Magnus Hirschfeld zog es f\u00fcr eine Zeit nach Heidelberg. Seine wissenschaftliche Neugier verband Hirschfeld mit einem ungebremsten Streben nach Freiheit und Gleichberechtigung.<\/p>\n<p>Bereits im Kaiserreich gr\u00fcndete er das \u201eWissenschaftlich-humanit\u00e4re Komitee\u201c, eine damals weltweit einzigartige Vereinigung, die sich dem Kampf f\u00fcr das Ende der Verfolgung von geschlechtlicher und sexueller Vielfalt auf die Fahnen verpflichtete.\u00a0 Sp\u00e4ter reichte er die erste Petition gegen den Paragrafen 175 \u2013 also dem Paragraphen, der homosexuelle Handlungen zwischen M\u00e4nnern kriminalisierte &#8211; im Reichstag ein, was zu heftigen Diskussionen f\u00fchrte, gr\u00fcndete Zeitschriften und schrieb pers\u00f6nlich das Drehbuch f\u00fcr den ersten Kinofilm, der jemals Homosexualit\u00e4t thematisierte. Von den Nationalsozialisten wurde er sp\u00e4ter verfolgt, als \u201eApostel der Unzucht\u201c verunglimpft, sein Institut zerst\u00f6rt und seine B\u00fccher verbrannt.<\/p>\n<p>In Heidelberg ist die Tatsache, dass Magnus Hirschfeld hier vor Ort auf verschiedene Weise Grundlagen f\u00fcr sein sp\u00e4teres Schaffen legte, erst in den letzten Jahren ins Bewusstsein der \u00d6ffentlichkeit ger\u00fcckt. Seine Geschichte und die Geschichte vieler anderer Menschen, die auf Grund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identit\u00e4t von den Nazis verfolgt wurden, spielte in der Heidelberger Stadtgeschichte kaum eine Rolle. Zum ersten Mal gedachte die Stadt Heidelberg in diesem Jahr der homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.<\/p>\n<p>Doch das Ende des Nationalsozialismus bedeutete nicht das Ende der Verfolgung. Obwohl im Grundgesetz der noch jungen BRD die Unantastbarkeit der menschlichen W\u00fcrde an erster Stelle gesetzt wurde, wurden Menschen weiterhin \u00fcber Paragraphen 175 wie Schwerverbrecher behandelt, ihre Namen von der Polizei auf ber\u00fcchtigten Listen gef\u00fchrt, ihre Treffpunkte bespitzelt, ihre Karrieren vernichtet. Auch die Verfolgung und Unterdr\u00fcckung lesbischer Liebe und Sexualit\u00e4t wurde fortgesetzt: neben ihrer Unterdr\u00fcckung durch die repressive Geschlechterordnung der Nachkriegszeit erfuhren lesbische Frauen gesellschaftliche \u00c4chtung, physische Gewalt, wurden Opfer psychiatrischer Behandlungen. Bis in die 1980er Jahre hinein wurde ihnen das Sorgerecht f\u00fcr ihre Kinder entzogen. Erst 2017 hob der Bundestag die Urteile des ehemaligen Paragraf 175 auf und regelte die Entsch\u00e4digung. Eine wichtige erste Geste \u2013 doch viele weitere Formen der Unterdr\u00fcckung und Verfolgung bleiben bis heute unentschuldigt.<\/p>\n<p>Umso wichtiger ist es, diesen Teil unserer Geschichte aufzuarbeiten. In diesem Prozess wird mehr aufgedeckt als nur Fakten und Daten. Es geht um die Sichtbarmachung von Leid und Verfolgung, aber auch um Emanzipation, Courage und das Aufbegehren gegen Ungerechtigkeit.<br \/>\nW\u00e4hrend sich die gro\u00dfen historischen Museen und Archive erst langsam des Themas der Geschichte der lsbttiq-B\u00fcrger_innenrechtsbewegungen annehmen, war es die queere Community selbst, die dieses Erbe bewahrte.\u00a0 Es ist der Verdienst unerm\u00fcdlicher, meist ehrenamtlicher Arbeit von lsbttiq-Archiven und Projekten wie der lesbisch-schwulen Geschichtswerkstatt hier in der Rhein-Neckar-Region, dass diese Geschichte bis heute lebendig erinnert wird. Stellvertretend f\u00fcr die vielen, in der lsbttiq-Community aktiven Menschen m\u00f6chte ich in diesem Rahmen der Historikerin Ilona Scheidle und dem Historiker Dr. Christian K\u00f6nne meinen besonderen Dank aussprechen!<\/p>\n<p>Es ist von zentraler Bedeutung, dass das baden-w\u00fcrttembergische Wissenschaftsministerium ein Forschungsprojekt f\u00f6rdert, dass sich mit den Lebenswelten, der Repression und Verfolgung von schwulen, lesbischen, bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen und queeren \u2013 kurz lsbttiq &#8211; Menschen w\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus und der fr\u00fchen Bundesrepublik in Baden-W\u00fcrttemberg auseinandersetzt.<\/p>\n<p>Es ist mir eine gro\u00dfe Freude, dass Herr Professor Wolfram Pyta vom Historischen Institut der Universit\u00e4t Stuttgart als Leiter des Forschungsprojektes heute Abend mit uns diskutieren wird. Durchgef\u00fchrt wird das Projekt in Zusammenarbeit mit der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Es freut mich daher besonders, dass heute Abend Dr. Daniel Baranowski, der zust\u00e4ndige wissenschaftliche Referent f\u00fcr Geschichte und Erinnerung, heute anwesend ist. Das Land Baden-W\u00fcrttemberg f\u00f6rdert auch die Wanderausstellung \u201eSie machen Geschichte\u201c, die heute zu sehen sein wird, die ihnen Einblicke in lsbttiq-Geschichte bietet. Sie haben im Anschluss der Veranstaltung Gelegenheit, Einblicke in die Ausstellung zu erhalten.\u00a0 Doch auch in Heidelberg sind wir in der gl\u00fccklichen Situation, mit Ihnen, Prof. Dr. Karen Nolte, eine ausgewiesene Expertin der Medizin-, K\u00f6rper- und Geschlechtergeschichte vor Ort zu haben, die sich mit dem Thema lsbttiq-Geschichte auseinandersetzt.\u00a0 Denn neben staatlicher Verfolgung waren es Medizin und Psychiatrie, die Menschen auf Grund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identit\u00e4t Zwangsbehandlungen unterzog, sie wegsperrte, kastrierte oder verst\u00fcmmelte.<br \/>\nGerade in Zeiten einer R\u00fcckkehr v\u00f6lkischer Ideologien und autorit\u00e4rer Sehns\u00fcchte ist die Geschichte lesbischer, schwuler transsexueller, transgender, intersexueller und queerer Bewegungen von zentraler Bedeutung\u00a0 \u2013 als Geschichte von Bewegungen, die erst dazu beigetragen haben, Deutschland in der Nachkriegszeit zu einer lebendigen, offenen und vielf\u00e4ltigen Demokratie zu formen. Queere Geschichte muss noch mehr in die \u00f6ffentliche Erinnerung r\u00fccken \u2013 muss selbstverst\u00e4ndlich in st\u00e4dtischen Museen, im Geschichtsunterricht oder im \u00f6ffentlichen Raum sichtbar werden.<\/p>\n<p>Gleichzeitig erfahren Menschen in Heidelberg immer noch Diskriminierung und Gewalt bez\u00fcglich ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identit\u00e4t.\u00a0 Wir als Stadt Heidelberg haben es uns zum Ziel gemacht, konsequent gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit vorzugehen.<br \/>\nWichtige Schritte sind wir seit der Verabschiedung des st\u00e4dtischen Aktionsplans &#8222;Offen f\u00fcr Vielfalt und Chancengleichheit \u2013 Ansporn f\u00fcr alle&#8220; gegangen worden:<\/p>\n<ul>\n<li>die Einrichtung des Runden Tisches sexuelle und geschlechtliche Vielfalt<\/li>\n<li>die Schaffung einer Ansprechperson f\u00fcr queere Menschen beim Amt f\u00fcr Chancengleichheit<\/li>\n<li>fen Aufbau eines Beratungs- und Pr\u00e4ventionsangebots durch PLUS e.V. und der Unterst\u00fctzung queerer Jugendarbeit durch den Jugendtreff &#8222;Queer Youth&#8220;<\/li>\n<li>Dank dem Queer Festival Heidelberg, dem Dyke*March und vieler anderer Projekte und Initiativen geh\u00f6rt queeres Leben und queere Kultur mittlerweile auch in Heidelberg zum Stadtbild<\/li>\n<\/ul>\n<p>Unterst\u00fctzt wird unser Weg durch den Aktionsplan \u201eF\u00fcr Akzeptanz und gleiche Rechte\u201c der baden-w\u00fcrttembergischen Landesregierung, durch den in Heidelberg und der Metropolregion Rhein-Neckar Strukturen der Beratung, Schul- und Jugendarbeit gef\u00f6rdert werden.<br \/>\nDurch die Bewerbung Heidelberg als Mitglied im Rainbow City Network m\u00f6chten wir diese Anstrengungen weiter intensivieren.<br \/>\nDie F\u00f6rderung einer Kultur der Weltoffenheit und die St\u00e4rkung individueller Freiheitsrechte sind f\u00fcr uns zentraler Baustein einer nachhaltigen, zukunftsorientierten Stadtentwicklung.<\/p>\n<p>Doch keine Zukunft ohne Kenntnis der Vergangenheit. Getreu dem Credo Magnus Hirschfelds &#8222;Durch Wissenschaft zur Gerechtigkeit&#8220; ist es unsere Chance, aus der Geschichte von Verfolgung und Emanzipation f\u00fcr das Heute zu lernen. Deshalb freue ich mich, dass Sie, liebe Podiumsrunde, und Sie, liebe G\u00e4ste, heute unserer Einladung gefolgt sind.\u00a0 Der Universit\u00e4t Heidelberg danke ich f\u00fcr die gro\u00dfe Unterst\u00fctzung in der Organisation der Veranstaltung in ihren R\u00e4umen. Besonderen Dank gilt der baden-w\u00fcrttembergischen Landesregierung, allen voran dem Wissenschaftsministerium, dem Sozialministerium und der Familienforschung Baden-W\u00fcrttemberg, uns diesen Abend im Zeichen der LSBTTIQ-Geschichte hier in Heidelberg erm\u00f6glicht zu haben.\u00a0 Und begr\u00fc\u00dfe herzlich als Vertreterin der Landesregierung Theresia Bauer, Ministerin f\u00fcr Wissenschaft, Forschung und Kunst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Donnerstag, 7. November bis Sonntag, 24. November 2019, finden in der Rhein-Neckar-Region wieder die \u201eTrans*Aktionswochen Rhein-Neckar\u201c statt, die den \u201eInternational Transgender Day of Remembrance\u201c am 20. November umrahmen. W\u00e4hrend [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":-1,"featured_media":19818,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,6],"tags":[],"class_list":["post-19813","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-wolfgangerichson"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neu.gruene-heidelberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19813","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neu.gruene-heidelberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neu.gruene-heidelberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.gruene-heidelberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19813"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neu.gruene-heidelberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19813\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.gruene-heidelberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/19818"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neu.gruene-heidelberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19813"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.gruene-heidelberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19813"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.gruene-heidelberg.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19813"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}