{"id":20567,"date":"2020-07-14T16:20:00","date_gmt":"2020-07-14T14:20:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gruene-heidelberg.de\/?p=20567"},"modified":"2020-07-14T16:20:00","modified_gmt":"2020-07-14T14:20:00","slug":"schaumkuesse-statt-hindernisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neu.gruene-heidelberg.de\/index.php\/2020\/07\/14\/schaumkuesse-statt-hindernisse\/","title":{"rendered":"Schaumk\u00fcsse statt Hindernisse"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Stadtblatt-Beitrag von <a href=\"https:\/\/gruen4hd.de\/fraktion\/dorothea-kaufmann\/\">Dorothea Kaufmann<\/a> \u2013 Ausgabe vom 15.07.2020 \/\/<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Nun hat die Diskussion um die Benennung der lokalen Gastronomie auch Heidelberg erreicht. Die \u201eexotische\u201c Dekoration eines Ladengesch\u00e4ftes erregt ebenfalls Aufsehen, entsprechende Artikel in der Presse und in den sozialen Medien werden eifrig kommentiert und entwickeln sogar \u00fcberregionales Aufsehen. Immer wieder taucht die Frage auf, was eigentlich \u201eso schlimm\u201c daran sein soll, wenn der Begriff \u201eMohr\u201c verwendet wird und wieso tradierte Begriffe \u201epl\u00f6tzlich rassistisch\u201c sind.<\/p>\n<p>Zuerst muss sich die wei\u00dfe Mehrheitsgesellschaft bewusst werden, dass es nicht an ihr ist, dar\u00fcber zu entscheiden, was rassistisch ist und was nicht. Diese Bewertung obliegt ausschlie\u00dflich den Menschen, die von Rassismus betroffen sind. Ich als wei\u00dfe cis-Frau mit allen erdenklichen Privilegien kann nur zuh\u00f6ren, verstehen und helfen \u2013 aber immer nur nach den Regeln derer, die unmittelbar unter rassistischen Klischees leiden. Ob dieses Klischee der Mann auf der Reispackung, die Schokolade-Werbefigur oder die Dekoration im Einzelhandel ist: BPOC (black and people of colour) werden oft als koloniale Staffage genutzt und ich wei\u00df aus zahlreichen Erz\u00e4hlungen, dass sie dies nicht sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Rassismus hat viele Gesichter und extrem viel mit Bezeichnungen zu tun. Unser Denken beeinflusst unsere Sprache und umgekehrt beeinflusst die Sprache unser Denken. Das Bewusstsein f\u00fcr kolonial-kodierte Sprache ist noch ungen\u00fcgend verankert und die moderne aufgekl\u00e4rte Gesellschaft muss sich der Herausforderung stellen, dieses Bewusstsein zu schaffen und mit Rassismus konstruktiv umzugehen. Welcher Nachteil soll denn dieser Gesellschaft entstehen, wenn niemand mehr von \u201eZigeunerschnitzel\u201c und \u201eMohrenk\u00f6pfen\u201c spricht? Genau: keiner. Aber f\u00fcr die Menschen, die sich dadurch (zurecht) angegriffen und beleidigt f\u00fchlen, macht es einen sehr gro\u00dfen Unterschied. Wir m\u00fcssen ihre Bedenken und ihr Befinden ernst nehmen und wir haben alle die Verantwortung daf\u00fcr, hieraus Konsequenzen zu ziehen. Auf einige W\u00f6rter im Vokabular zu verzichten, um anderen Menschen unsere Wertsch\u00e4tzung ihnen gegen\u00fcber zu demonstrieren: selten ist es so einfach, sich f\u00fcr andere einzusetzen.<\/p>\n<p>Auch wenn jede*r Einzelne zum guten Sprachklima beitragen kann, so ist es doch an der Politik, klare Regeln f\u00fcr rassistisch belegte Begriffe einzuf\u00fchren und z.B. bundesweit das \u201eN-Wort\u201c zu \u00e4chten. Lassen Sie uns die Diskussion um Rassismus und Kolonialismus auch in Heidelberg f\u00fchren: offen, zugewandt und fair. In den kommenden Monaten wird die Gr\u00fcne-Fraktion zahlreiche Veranstaltungen zu diesem Themenkomplex anbieten und wir freuen uns, mit Ihnen ins (digitale) Gespr\u00e4ch zu kommen. Gerne auch beim gemeinsamen Genuss eines Schaumkusses egal welcher Farbe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stadtblatt-Beitrag von Dorothea Kaufmann \u2013 Ausgabe vom 15.07.2020 \/\/ Nun hat die Diskussion um die Benennung der lokalen Gastronomie auch Heidelberg erreicht. 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