{"id":23520,"date":"2022-10-26T17:57:09","date_gmt":"2022-10-26T15:57:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gruene-heidelberg.de\/?p=23520"},"modified":"2022-10-26T17:57:09","modified_gmt":"2022-10-26T15:57:09","slug":"solidaritaet-mit-den-frauen-im-iran-und-anderswo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neu.gruene-heidelberg.de\/index.php\/2022\/10\/26\/solidaritaet-mit-den-frauen-im-iran-und-anderswo\/","title":{"rendered":"Solidarit\u00e4t mit den Frauen in Iran, weltweit und hier bei uns"},"content":{"rendered":"<p><strong>StaTtblatt* von <a href=\"https:\/\/gruen4hd.de\/fraktion\/marilena-geugjes\/\">Dr. Marilena Geugjes<\/a> vom 26.10.2022 <\/strong><\/p>\n<p>Am 16. September starb die 22-J\u00e4hrige iranische Kurdin Mahsa Amini in ihrem Heimatland in Polizeigewahrsam. Sie war festgenommen worden, weil sie ihr Kopftuch nicht vorschriftsm\u00e4\u00dfig getragen haben soll. Seither demonstrieren in Iran Tausende und in Solidarit\u00e4t mit ihnen zahlreiche Menschen auf der ganzen Welt.<\/p>\n<p>Sie demonstrieren gegen das islamische, m\u00e4nnliche Herrschaftssystem, das Frauen in Iran grundlegende Lebenschancen sowie Selbstbestimmung verweigert und zu Personen zweiten Ranges macht. Obwohl die Sicherheitskr\u00e4fte im Land gewaltsam gegen Demonstrierende vorgehen und es bereits Dutzende Tote und Verletzte gibt, gehen die Menschen weiter auf die Stra\u00dfe. Allen voran Frauen, die demonstrativ ihre Kopft\u00fccher abnehmen, verbrennen, ihre Haare abschneiden und sich damit in akute Lebensgefahr bringen.<\/p>\n<p>Nun ist Iran bekannterma\u00dfen einige Kilometer von Heidelberg entfernt. Auch die politische Situation ist in keiner Weise vergleichbar mit der unseren und wir sind dankbar f\u00fcr unsere Demokratie und unseren s\u00e4kularen Staat. Wir sind dankbar, dass wir unser Haar tragen d\u00fcrfen, wie wir wollen, und dass wir auch in den (meisten) anderen Bereichen unseres Lebens Wahlfreiheit haben.<\/p>\n<p>Wir zeigen uns klar solidarisch mit den iranischen Frauen. Ein ber\u00fchmtes Zitat der Aktivistin Audre Lorde lautet: \u201cIch bin nicht frei, solange eine andere Frau unfrei ist, auch wenn ihre Fesseln sich von meinen unterscheiden\u201d.<\/p>\n<p>Auf der ganzen Welt k\u00e4mpfen Frauen gegen solche Fesseln, auch wenn diese tats\u00e4chlich sehr unterschiedlich aussehen. In Afghanistan beispielsweise k\u00e4mpfen M\u00e4dchen und Frauen f\u00fcr ihr Recht auf Bildung, das ihnen von den Taliban verwehrt wird, in den USA gegen fundamentalchristliche Konservative f\u00fcr das Recht auf ihren eigenen K\u00f6rper. Dass wir hier in Europa unser Haar tragen d\u00fcrfen, wie wir wollen, und zumindest theoretisch frei w\u00e4hlen d\u00fcrfen, wie wir leben m\u00f6chten, haben genau solche mutigen Frauen vor uns erk\u00e4mpft. Ihnen zu Ehren k\u00e4mpfen wir weiter. So lange, bis wir nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch frei sind von patriarchalen Strukturen. So lange, bis wir uns nicht mehr rechtfertigen m\u00fcssen, warum wir Karriere oder keine Karriere machen, warum wir kein Kind, nur ein Kind oder gleich vier Kinder haben, warum wir zu viel oder zu wenig Kleidung anhaben. Und bis M\u00e4dchen in allen Bereichen unserer Gesellschaft Vorbilder finden, mit denen sie sich identifizieren k\u00f6nnen. Auch in der Politik.<\/p>\n<p>Auch hier in Heidelberg gibt es noch viel zu tun. Dass wir auch hier noch keine Geschlechtergerechtigkeit erreicht haben, hat zuletzt die Corona-Pandemie gezeigt. Denn es waren die Frauen, die ihre Jobs nur noch in Teilzeit aus\u00fcbten, um auf die Kinder aufzupassen und damit eine gro\u00dfe Mehrbelastung auf sich nahmen, w\u00e4hrend die meisten M\u00e4nner Vollzeit arbeiten gingen. Und das Frauenhaus verzeichnete traurige Rekorde, als der R\u00fcckzug ins Private f\u00fcr eine Zunahme von Gewalt gegen Frauen sorgte. Erst zuletzt machte Heidelberg unangenehme Schlagzeilen, weil es keine einzige Frau unter den F\u00fchrungskr\u00e4ften der kommunalen Unternehmen gab. <span style=\"font-weight: 400;\">Inzwischen haben die Heidelberger Dienste eine Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin.<\/span>\u00a0Dar\u00fcber freuen wir uns zwar, k\u00f6nnen uns aber unm\u00f6glich damit zufriedengeben. St\u00e4ndig l\u00e4cheln uns auf Fotos von Spatenstichen f\u00fcr Bauvorhaben in der Stadt riesige M\u00e4nnergruppen entgegen \u2013 ohne eine einzige Frau. Und auch bei der ein oder anderen Kampagne f\u00fcr die OB*in-Wahl f\u00e4llt aktuell auf, dass sie stark auf M\u00e4nner fokussieren und Frauen kaum abgebildet sind.<\/p>\n<p>Auch wenn unsere Fesseln anders sind als die der Frauen in Iran, Afghanistan oder den USA, m\u00fcssen wir aufpassen, dass wir nicht unbemerkt wieder zur\u00fcckgedr\u00e4ngt werden. Wir brauchen weiterhin starke weibliche Stimmen, die es schaffen, gesellschaftliche Strukturen nachhaltig zu \u00e4ndern, um es allen nachfolgenden Frauen leichter zu machen, Gleichberechtigung tats\u00e4chlich zu leben.<\/p>\n<p><em>*StaTtblatt statt Stadtblatt: Das offizielle Stadtblatt der Stadt Heidelberg erscheint aufgrund der Karenzzeit vor der Oberb\u00fcrgermeisterwahl derzeit ohne die Stimmen aus dem Gemeinderat, wo sich die Gr\u00fcnen-Gemeinderatsfraktion jeden Mittwoch zu kommunalen Themen \u00e4u\u00dfert. Da die gr\u00fcne Fraktion aber nat\u00fcrlich weiter aktiv ist und es genug zu berichten gibt, ver\u00f6ffentlichen wir jeden Mittwoch unseren \u201eStattblatt\u201c-Beitrag sowohl hier auf unserer Homepage als auch \u00fcber Facebook, Twitter und Instagram.<\/em><\/p>\n<p>Foto: Florian Freundt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>StaTtblatt* von Dr. Marilena Geugjes vom 26.10.2022 Am 16. September starb die 22-J\u00e4hrige iranische Kurdin Mahsa Amini in ihrem Heimatland in Polizeigewahrsam. 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