{"id":23625,"date":"2023-02-13T12:42:23","date_gmt":"2023-02-13T11:42:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gruene-heidelberg.de\/?p=23625"},"modified":"2023-02-13T12:42:23","modified_gmt":"2023-02-13T11:42:23","slug":"schutz-fuer-frauen-ein-stabiles-system-an-seinen-grenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neu.gruene-heidelberg.de\/index.php\/2023\/02\/13\/schutz-fuer-frauen-ein-stabiles-system-an-seinen-grenzen\/","title":{"rendered":"Schutz f\u00fcr Frauen: Ein stabiles System an seinen Grenzen?"},"content":{"rendered":"<p><strong>STADTBLATTARTIKEL von <a href=\"https:\/\/gruen4hd.de\/fraktion\/marilena-geugjes\/\">Dr. Marilena Geugjes<\/a> Fraktion B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen \u2013 Ausgabe vom 15.02.2023<\/strong><\/p>\n<p>Jede dritte Frau in Deutschland hat mindestens einmal in ihrem Leben physische und\/oder sexualisierte Gewalt erlebt. Jeder vierten wird diese Gewalt von ihrem aktuellen oder fr\u00fcheren Partner zugef\u00fcgt. Es wird von einer weitaus h\u00f6heren Dunkelzahl ausgegangen. Gewalt kann Frauen allen Alters, aller sozialen bzw. Bildungsschichten betreffen, zu Hause, am Arbeitsplatz, in der \u00d6ffentlichkeit, online.<\/p>\n<p>Vor zehn Jahren trat das \u201c\u00dcbereinkommen des Europarats zur Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung von Gewalt gegen Frauen und h\u00e4uslicher Gewalt\u201d in Kraft. Der Vertrag wird kurz \u201cIstanbul-Konvention\u201d genannt, nach dem Unterzeichnungsort (was ironisch ist, da die T\u00fcrkei als einziges Land aus dem \u00dcbereinkommen wieder ausgetreten ist). Die Konvention schafft f\u00fcr alle Mitgliedsl\u00e4nder bindende Rechtsnormen. So muss die Gleichstellung der Geschlechter in der Verfassung verankert sein, diskriminierende Gesetze sind abzuschaffen, und \u2013 hier kommt die Kommune ins Spiel \u2013 Hilfs- und Bildungsangebote f\u00fcr Frauen, die von Gewalt betroffen sind, m\u00fcssen ausgebaut werden.<\/p>\n<p>Als die Konvention 2018 in Kraft trat, war das Schutzsystem in Heidelberg bereits vergleichsweise gut aufgestellt. Seit den 80er-Jahren gab es Frauennotruf und Frauenhaus, beide aus der Frauenbewegung und dank ehrenamtlicher Initiative entstanden und eine wichtige Grundstruktur darstellend. In der Zwischenzeit werden sie institutionell gef\u00f6rdert, weitere wichtige Stellen und Hilfsangebote f\u00fcr betroffene Frauen seither geschaffen: Notschlafpl\u00e4tze f\u00fcr wohnungslose Frauen, die Interventionsstelle f\u00fcr Frauen und Kinder, die wichtige Akutversorgung leistet, die Etablierung der Gewaltambulanz des Universit\u00e4tsklinikums, das als Leuchtturmprojekt gilt, das Childhood House oder das EU-Modellprojekt \u201cGUIDE4YOU\u201d, durch das Heidelberg 2019 als bundesweit erste Stadt ein Lotsinnensystem etabliert hat, das inzwischen auch von anderen Kommunen aufgegriffen wurde. Nicht zu vergessen sind auch die T\u00e4terarbeit der M\u00e4nnerinterventionsstelle und die Arbeit des M\u00e4nnernotrufs. Auch wenn es richtig und wichtig ist, die Opfer von (h\u00e4uslicher) Gewalt zu sch\u00fctzen, muss auch daran gearbeitet werden, dass weniger Menschen, in der Regel M\u00e4nner, zu T\u00e4tern werden.<\/p>\n<p>Obwohl es in Heidelberg ein bereits \u00fcberdurchschnittlich gutes Gewaltschutzsystem gibt, wurde dieses von der Corona-Pandemie an seine Grenzen gebracht. Die Nachfrage ist stark gestiegen und manche Tr\u00e4ger kommen mit ihren aktuellen Ressourcen nicht mehr hinterher. Um der Istanbul-Konvention gerecht zu werden, m\u00fcssen wir also genau hinschauen und evaluieren, wie es um unser bestehendes System steht oder wo es weitere Ressourcen und Strukturen ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p><em>Bildrechte: Hatzfeld \/ Wikimedia Commons<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>STADTBLATTARTIKEL von Dr. Marilena Geugjes Fraktion B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen \u2013 Ausgabe vom 15.02.2023 Jede dritte Frau in Deutschland hat mindestens einmal in ihrem Leben physische und\/oder sexualisierte Gewalt erlebt. 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